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Casino Bingo Royale: Mehr als ein Geheimtipp

Posted by Steffen Schwietzer on Freitag, Januar 16th, 2009 | Filed under Bars, Events


Glücksrad war gestern, Kiezbingo ist heute: Preis, die die Welt braucht...

Glücksrad war gestern, Kiezbingo ist heute: Preis, die die Welt braucht...

Das legendäre SO 36 in der Oranienstraße, in der Nähe vom „Görli“, alias Görlitzer Bahnhof. Wer kennt es nicht? Kleine Stadtgeschichtskunde: „SO“ steht für den ehemaligen Postzustellbezirk Süd-Ost, 1000 Berlin 36. Es ist nicht verbrieft, wie häufig die Zahl 36 in der Kreuzberger Variante des Spiels fällt. Spannender, als an einem Dienstagabend den potenziellen Lotto 6er für tags darauf anzukreuzen, ist das Kreuzberger Kiezbingo jedoch allemal. Vor allem die Gewinnchance ist höher. Schon mal mit 294 anderen Leuten an langen Biertischen Bingo gespielt? Und dazu eine Kanne Berliner in der Hand…? Nein?!

Der Kölner Karneval ist dagegen Autismus pur, die bayerische “O zoapf’t-Atmo” ein feuchter Furz.

Na dann, am besten schon mal den 10. Februar 2009 ankreuzen und auf jeden Fall sechs ahnungslose Mitbewohner, BWL-Streber-Kommilitonen oder wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Sozialpädagogik-Studiengang des nahen Bekanntenkreises dazu einladen! Denn beim Kiezbingo geht es nicht nur um die richtigen Zahlen, das Komplettieren bestimmter Zahlen-Figuren, sondern auch um Lebenslauf, Status und Sexualität!! Diese Elemente werden im Gewinnfalle nämlich gerne mal von den beiden Star-Moderatoren der Show-Travestie abgefragt. Ja, Inge Borg und Gisela Sommer sind sozusagen Gerhard Delling und Günter Netzer in Frauenkleidern.

Das Duo zieht die Glückszahlen, wirft einschlägige Blicke ins Publikum, das bei fortschreitender Stunde fortschreitende Probleme hat, die Symmetrie des amerikanischen Bingo auf seinen Scheinen einzuhalten; Delling auf Stöckelschuhen also und Netzer mit Pumuckl-Perücke rülpsen und triezen die Gewinner – ganz masochistisch – um die Wette, bevor die ihren “Hammer-Preis” beziehen. Der Weg zum Bingo kann kompliziert werden, besonders wenn die Form der richtig zu spielenden Zahlen das „Transen-T“, der „Pimmel“ oder die „Giraffe“ ist. Wird die „11“ gezogen, spielt die Hauscombo, die “Wild Flamingo Bingo Band”, einen Tusch und das lustige „Bingo-Schild“ blinkt wieder wie ein amerikanischer Elektro-Tannenbaum auf Koks. Ruft jemand an einer Stelle „Biiiiingo“, beben die Biertische fast wie von selbst vor Wut und der eifrige Bingo-Spieler wird, wenn er nicht schlagfertig genug ist, zur Flipperkugel von Inge und Gisela.

Die Highlights der Januar-Ausgabe von Casino Bingo Royale:

Ein Schöneberger Hotelfachmann gewinnt einen Gutschein für „2mal Eintopf und 2mal frisch gepressten Saft für zwei“. In der Oranienstraße. „Danke“, sagt er voll lieb zu Netzer und Delling. Die brechen fast in hysterische Umarmungen aus und haken sich beim verdutzten Kandidaten unter, wollen ihn gleich für den lebhaften After-Show-Austausch „backstage“ da behalten.

„Boah, geil“, haucht Inge, „das ist das erste Mal in den letzten 10 Jahren, dass sich hier jemand für seinen Gewinn bedankt hat.“

Applaus, Grölen, ein paar Sprüche weiter…

(Gisela: „Ach, igitt, der kann doch weg, der hat ja keine Muskeln!“), sadistische Publikumslacher und dann freuen sich alle auf eine nächste, frische Runde Bingo.

Dass im „SO 36“ nun bis auf ein kümmerlich-glockenartiges Raucherstübchen am Eingang nicht mehr geraucht werden darf, entwickelt sich im Verlauf des Abends zur Wohltat. Garderobe ist frei, Eintritt 3 Euro, Spielscheine gegen eine kleine Spende für wechselnde soziale Projekte aus dem Kiez. –

Jeden 2. Dienstag im Monat, Beginn: 19.00 Uhr.


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